
Für viele Fahrer ist Allradantrieb (AWD) gleichbedeutend mit Sicherheit, und VW verwendet zu diesem Zweck das Haldex-System.
Haldex ist ein Allradantriebssystem mit der Möglichkeit zur Zuschaltung der Hinterachse, wobei primär die Vorderräder angetrieben werden. Vereinfacht gesagt verhält sich das Fahrzeug unter normalen Bedingungen wie ein klassischer Fronttriebler. Bei Traktionsverlust der Vorderräder aktivieren die Elektronik und das Hydrauliksystem jedoch die Lamellenkupplung und übertragen einen Teil der Kraft auf die Hinterräder.
Das System wurde nach der schwedischen Firma benannt, die es entwickelt hat. Seit 2011 wurden die Patente und die Produktion jedoch von der Gesellschaft BorgWarner übernommen.
Haldex wird vom Volkswagen-Konzern ausgiebig in seinen Fahrzeugen genutzt, wir finden es bei den Marken:
Die Basis ist das hydraulische Prinzip. Das System überwacht ständig die Raddrehzahlen mittels ABS/ESP-Sensoren. Sobald das Steuergerät Schlupf an den Vorderrädern erkennt, sendet es ein Signal an die Pumpe, die den Öldruck in der Lamellenkupplung erhöht. Dadurch schließen sich die Lamellen und die Hinterachse wird zugeschaltet.
Abhängig von der Systemgeneration ändern sich die Reaktionsgeschwindigkeit und die Fähigkeit, das Drehmoment zwischen den Achsen zu verteilen. Während bei den ersten Generationen die Kraftübertragung auf die Hinterachse von einem spürbaren Ruck begleitet wurde, arbeiten die neuesten Systeme nahezu unmerklich und können präventiv reagieren.
1. Generation: Passives System, bekannt aus dem Skoda Octavia I. Es reagierte erst auf den entstandenen Schlupf, der Einsatz war oft von einem Ruck begleitet.
2. Generation: Brachte schnellere Reaktionen dank einer modifizierten Pumpe. Das System konnte sich beim Bremsen oder Anziehen der Handbremse abschalten, um die ABS-Funktionen nicht zu beeinflussen. Sie finden es z. B. im Skoda Octavia II.
3. Generation: Das erste intelligente System. Es baute sofort nach dem Start Druck im System auf, wodurch die Reaktionszeit verkürzt wurde und Schlupf verhindert werden konnte. Die dritte Generation des Systems finden Sie nicht bei VW-Konzernfahrzeugen, sie wurde aber z. B. im Ford Kuga verbaut.
4. Generation: Ein deutlicher Fortschritt hin zur vollelektronischen Steuerung. In Kombination mit einem elektronisch gesteuerten Differenzial (EDS) an der Hinterachse kann die Kraft auf einzelne Räder übertragen werden. Diese Generation findet man beim Skoda Octavia II Facelift.
5. Generation: Die aktuelle Form unter der Leitung von BorgWarner. Sie ist leichter, sparsamer und nutzt eine axiale Sechskolbenpumpe. Sie finden sie in aktuellen Konzernfahrzeugen.
Der Haldex-Allradantrieb ist primär für Straßenautos konzipiert, kommt jedoch auch mit leichtem Gelände wie einem schlammigen Feldweg zurecht. Für das Fahren in wirklich schwerem Gelände fehlen dem Haldex Differenzialsperren, zudem kann es zur Überhitzung der Lamellenkupplung kommen, wobei das Steuergerät die Hinterachse zwangsweise abschaltet, um Schäden am System zu vermeiden. Geländemodelle von Volkswagen (z. B. Amarok) sind daher mit einem anderen Allradantriebssystem ausgestattet.
Obwohl Haldex ein zuverlässiges System ist, erfordert es regelmäßige Pflege. Die häufigste Ursache für Probleme ist die Vernachlässigung des Ölwechsels.
Wichtiger Hinweis: Die überlieferte Information über eine lebenslange Ölfüllung im Haldex ist nicht wahr. Experten empfehlen einen Ölwechsel inklusive Filter spätestens alle 60.000 km oder einmal alle 3 Jahre. Bei hoher jährlicher Laufleistung ist es nicht verkehrt, das Intervall auf 1 Jahr zu verkürzen.
Zu den weiteren möglichen Defekten gehören:
Pumpendefekt: Oft durch Diagnose und anschließende Reparatur oder Austausch lösbar.
Ausfall des Steuergeräts: Kostspieligere Reparatur, die sich durch den Funktionsausfall des Hinterradantriebs bemerkbar macht.
Probleme mit dem Verteilergetriebe: Äußern sich durch unerwünschte Geräusche.
Bei älteren Generationen (1. und 2.) kann die Funktion auf einer Hebebühne getestet werden. Nach dem Einlegen des ersten Gangs sollten sich alle vier Räder drehen. Beim Anziehen der Handbremse sollten die Hinterräder stehen bleiben, während sich die vorderen weiter drehen sollten. Bei moderneren Generationen ist aufgrund der komplexen Elektronik jedoch immer die fachmännische Diagnose in einer Werkstatt die beste Wahl. 🚗
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